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Name: Tina Schmidt
Krankheitsbild: Frühgeburt (34. SSW), rigide spastische Tetraparese,
cerebrales Anfallsleiden mit Myoklonien, ausgeprgte mentale Entwicklungsstörungen
Tina´s Mutter, Frau Petra Schmidt schreibt:
Liebe dolphin aid" Mitglieder,
schon seit einigen Tagen liegt es mir am Herzen, mich nach
Curacao, 28.05.04 bis 13.06.04, bei Ihnen in Erinnerung zu bringen und
ein herzliches Dankeschön auszusprechen.
Ich wollte bewusst noch einige Beurteilungen von mir wichtigen Personen,
unabhängig voneinander, abwarten.
Ich habe schon Herrn Evers am Telefon mitgeteilt, dass meine niedrig gehaltenen
Erwartungen mehr als erfüllt wurden, und ich in Gedanken immer noch
den wunderbaren Delphingeschöpfen nachhänge.
Ich glaube, es waren 2 Wochen, in denen ich nachts immer wieder von Delphinen
geträumt habe.
Leider ist es nicht meine Stärke mich kurz zu fassen, noch dazu bei
einem Thema, dass die Delphintherapie anbelangt.
Ja, wo soll ich anfangen, es gibt soviel zu erzählen,
dass es aus einem nur so heraussprudelt, und man möchte automatisch
Gott und die Welt an dem Erlebten teilhaben lassen. Sie können sich
dann vielleicht in etwa vorstellen, wie meine Briefe gestaltet sind, wenn
ich mich an unzählige Stiftungen, oder alles was mir im Bereich des
machbaren erscheint anschreibe, und ich diese voller Enthusiasmus, von
unseren Erfahrungen vor Ort berichte, nichts auslassen möchte und
vor allen Dingen ein wahrheitsgetreues Bild mit allen Informationen, sei
es drum die Bücher von Kirsten Kuhnert zu nennen, (und, und, und)
und wieder um eine Spende bitte.
In meinem engsten Kreise schaut schon jeder mit Entsetzen auf die unzähligen
Seiten, die mir mein PC ausdruckt, und mit einer mehr als fragwürdigen
Miene, die bedeuten soll, dass liest doch kein Mensch, mir schonend zu
verstehen geben wollen, ist ja toll, dass Du Dich so für Deine Tina
einsetzt, aber wenn das man nicht im Papierkorb landet. Vielleicht ging
es ja auch etwas kürzer. Tja, vielleicht, aber wie schon angedeutet,
bei mir wohl nicht.
Jedenfalls hatte ich bei meinen ersten Versuchen eine Delphintherapie
genehmigt zu bekommen, Erfolg.
Wer will da noch nach Seiten, Arbeit, Gelder für Briefmarken, unzählige
Kopien usw. fragen. Ich, bzw. meine Tochter bekamen es tausendfach wieder.
So ist mir auch warm ums Herz geworden, als ich Kirsten Kuhnert´s
erstes Buch gelesen habe. Und ihr zweites Buch habe ich gerade angefangen.
Es ist soviel in diesen Büchern geschrieben, was mich selber so bewegt,
was ich persönlich aus eigenen Erfahrungen kenne, als alleinerziehende
Mutter, fast tagtäglich erlebe, und nicht nur ich, wir alle. Wenn
man einmal meint, man könnte durchatmen, kommt bestimmt etwas von
einem Amt, oder die Krankenkasse legt einem wieder Steine in den Weg,
weil mal wieder ein Hilfsmittel nicht so genehmigt werden soll wie es
am geeignetsten wäre, etwas gestrichen werden soll, man ist ständig
in Bewegung, irgendwelche Widersprüche einzulegen usw. und sofort.
Deja-vu.
Es war direkt einmal schön, den Alltag von uns Müttern,
Eltern mit besonderen Kindern so lebensnah schwarz auf weiß zu lesen,
denn so häufig möchte ich meine Gedanken, über diesen oft
hirnrissigen Kampf und die verschwendete Energie mit Ämtern und Institutionen
herausschreien.
Nun bin ich aber seit jeher eine Person, der man aus welchen Gründen
auch immer, genügend Portion Selbstbewußtsein, Energie und
Durchhaltevermögen mit in die Wiege gelegt hat. An meiner Tochter
Tina bin ich zusätzlich gewachsen, ja manchmal über mich selber
hinaus. Tina ist meine beste Freundin und engste Vertraute, mein Engel.
Ich habe gelernt, nicht zu allem ja und Amen zu sagen, alles genau zu
überprüfen, getreu der Devise, sei es nun Che Guevara, machen
wir das Unmögliche, Möglich. (Hasta la victoria siempre), was
soviel heißt, immer bis zum Sieg. Oder ob es nun mit den Worten
Hermann Hesses auszudrücken: Damit das Mögliche entsteht, muss
immer wieder das Unmögliche versucht werden.
Mein Gefühl gab mir oft recht, und ich bin meinen Weg, der ja auch
Tinas Weg ist, immer meinem Gefühl folgend weitergegangen, es war
weiß Gott nicht immer leicht. Manche Kämpfe dauerten 4 Jahre,
bis zur 2. Instanz, ich habe durchgehalten, nicht aufgegeben, und letztendlich
haben wir gesiegt. In diesem Augenblick, als der Richter das endgültige
Wort sprach, und das Versorgungsamt endlich begriffen hatte, keine Chance
mehr zu haben, hätte ich heulen können, heulen vor Glück
und Ergriffenheit, wir haben es geschafft, geschafft gegen die absurden
Behauptungen, gegen die Borniertheit der Ämter. Wenn ich des öfteren
in der dolphin aid News zu lesen beginne, fällt mir auf, dass Eltern
des öfteren schreiben, Kiki jetzt wirst Du bestimmt wieder weinen.
Eigentlich fällt mir auf, dass es sehr häufig mir, bei den gelesenen
Sätzen so ergeht. Ebenso, wie eine Mutter fühlt, die es erlebt
hat, zwar nicht dieselbe Geschichte, doch ähnelt sie in vielem.
Liebes dolphin aid Team, ich muss anmerken, eine gewisse Bedauerung zu
verspüren, nämlich mit denen, die angesichts meiner langwierigen
Zeilen ins Schwitzen kommen, denen die Köpfe rauchen und die endlich
hoffen, dass ich doch zu dem wirklich wichtigen komme.
Nämlich zu der eigentlichen Hauptperson, Tina meiner Tochter, die
die
wunderbare Therapie auf Curacao so intensiv miterleben durfte.
Als Tina das erstemal in dieser Ihr doch so neuen Umgebung, fremden
Bezugspersonen, sprich Therapeuten in Kontakt kam, wirkte Sie doch zuerst
etwas befremdet, auch Tela, die Delphindame der Truppe, schien ihr etwas
suspekt. Nach und nach freundete Sie sich mit der neuen Situation, den
Ihr ja schon bekannten Personen, und vor allen Dingen mit Ihrer neuen
Freundin Tela an.
Ich wurde des öfteren nach einer gewissen Zeit gefragt, was ich denn
an Verbesserungen bei meiner Tochter beobachten könne? Ich war mir
da ehrlich gesagt noch etwas unsicher, da Tina im Wasser, was auch ihr
Element ist, sehr konzentriert, ja fast schon verbissen konzentriert wirkte.
Ich beobachtete und ließ alles auf mich einwirken. Ich verfolgte
jeden Schritt der Therapeutinnen und saugte Ihre Anleitungen regelrecht
in mich auf. Tina ist allgemein lockerer geworden, hält Ihre Händchen
jetzt häufiger geöffnet, lautiert und juchzt, was Sie allerdings
auch vorher schon tat, aber man hat das Gefühl, Ihre Äußerungen
sind gezielter geworden.
Ein wunderschönes Geschenk bescherte Sie mir am letzten Tag. Tina
saß ca. 1 ½ Meter von mir entfernt in Ihrer Sitzorthese unter
einem Sonnenschirm. Ich rief Ihren Namen und es durchzuckte mich wie einen
Blitz. Sie schaute mich bewusst an, wirklich bewusst und lächelte
mich an. Was für ein wunderschönes Gefühl, warum auch immer,
wer will noch danach fragen, sei es drum, es geschah ganz einfach.
Ich wollte auch die Therapie erst auf Tina richtig einwirken lassen, also
das sie auch das Erlebte erst einmal verarbeiten kann. Wie Peter (Anmerk.
der Redaktion, Peter Drißl) schon sagte, leisten unsere Kinder im
Vergleich zu einem Erwachsenen, bei dieser Therapie Hochleistungssport.
Tina machte einen erholten und gut gelaunten Eindruck, lachte
viel und
lautierte.
Der Oberarzt des hiesigen Klinikums, bei dem Tina am 30.06.04 Ihre
regelmäßige Kontrolle des EEGs hatte, stellte fest, Tina wirkt
locker und
ausgeglichen, O-Ton des Pädiaters, so gefallt Sie mir gut. Selbst
das EEG war besser als die vorhergehenden.
Am meisten zog ich mir von der Sprachtherapeutin Kerstin etwas heraus,
was aber keinesfalls die Bemühungen von Lisa und Marie schmälern
oder abwerten soll. Es ist nur ganz einfach so, dass ich im physiotherapeutischen
Bereich wesentlich besser involviert bin, als im Bereich der Mundmotorik,
die Tina ja zu Hause nie hatte. Deshalb lege ich zu Hause verstärkt
Wert darauf, die Mundmotorik in demselben Stil fortzufahren. Krankengymnastik
hat Tina 3 x in der Woche, seit Juli jetzt leider gekürzt von 1 ½
Stunden auf 65 Min., aber auch dafür bin ich dankbar, wer bekommt
schon so effizient angewandt, solch intensive Behandlung. Zu Hause führe
ich im physiotherapeutischen Bereich auch noch etliche Anwendungen durch.
Der Kinderarzt, dessen Begeisterungsfähigkeit sich meist in Grenzen
hält, war über den ausführlichen Bericht von Curacao recht
angetan und meinte, nachdem ich ihn nach einem Logopäden/Logopädin
für Tina fragte, er wisse gar nicht, ob wir vor Ort einen solch ausgebildeten
hätten. Wenn ich das mir gezeigte so weiterfuhren würde, wäre
es voll ausreichend. Meine bzw. Tinas Krankengymnastin meinte übrigens
dasselbe, unsere Logopäden sind ausgebucht und rar.
Danke Curacao für die exzellenten Therapeutinnen/Therapeuten, Danke
dolphin aid, Danke Kiki, Danke überhaupt an alle, die an diesem wunderbaren
Konzept mitwirkten und es noch tun.
Nun komme ich aber endgültig zum Schluss, Tina schimpft schon mit
mir und nörgelt. Trotzdem einen schönen Gruß von ihr.
Im Mai 2005 haben wir unseren nächsten Termin schon fest. Irgendwie
bin ich mir sicher, ich werde, wir werden, es schaffen. Machen wir das
UNMÖGLICHE MÖGLICH (Hasta la victoria siempre) sollen meinen
langen Brief beenden.
Viele lieben Delphingrüße
Petra und Tina Schmidt

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