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Benjamin Johnson

Krankheitsbild: mitochondriale Stoffwechselerkrankung, autistische Züge

Benjamins Eltern, Audrey Johnson und Christian Schlaefke schreiben:

Seit ein paar Wochen sind wir wieder zuhause und möchten uns an dieser Stelle recht herzlich bei dolphin aid für die Unterstützung, Bereitstellung des Spendenkontos und für die Reiseorganisation bedanken.

Wir sind von der Delphintherapie sehr beeindruckt! Es passierten zwar keine Wunder und das hatten wir auch nicht erwartet. Benjamin kann nicht in Mehrwortsätzen sprechen, auch kaum einzelne Worte. Aber sehr viele kleine Details sind uns schon aufgefallen. Der individuelle Therapieansatz bei DHT für Benjamin basierte unter anderem auf deiner Wahrnehmungsförderung, Steigerung seiner Aufmerksamkeit, sensorische Integration sowie auf Verhaltenstherapie und der Interaktion mit den Delphinen als Verstärker für erwünschtes Verhalten. Hinzu kamen noch kommunikations- bzw. sprachanbahnende Maßnahmen. Die Sitzungen auf der schwimmenden Plattform waren sehr straff und regulativ abgehalten. Bei einer Therpapieeinheit von ca. einer Stunde plus vorbereitende Maßnahmen wie Bürstenmassage, Schaukeln in einer Hängematte oder Wippen auf Therapiebällen muss der Therapeut und vor allem der kleine Patient konzentriert arbeiten. Es muss dabei vor allem Aufmerksamkeit vorhanden sein.

Nachdem Benjamin anfangs nicht ohne Geschrei zu seinem Delphin Alfonz ins Wasser ging, verlor er recht schnell seine Scheu vor dem großen Tier und dem ungewohnten, dunkeln Wasser. Jetzt galt es an seiner Wahrnehmung und seiner Aufmerksamtkeit zu arbeiten, denn er schaute sich oft in der Umgebung um und arbeitete nicht mit. Zum einen halfen sensorische Reize wie oben erwähnte Bürstenmassage, Schaukeln oder Wippen, um seine Aufmerksamkeit zu steigern. Oft hielt die Praktikantin Benjamins Kopf in einer Position fest und stabilisierte seine Haltung. Somit wurde erreicht, dass er mit seiner Therapeutin Valerie Blickkontakt aufnahm. Sie arbeitete mit Bilderkarten, Fotos und realen Gegenständen in Richtung Kommunikationsanbahnung/unterstützter Kommunikaton. Benjamin musste die Fragen nach einem Objekt auf einer Bilderkarte oder Foto korrekt beantworten. Weiterhin übte Valerie mit Benjamin Lautbildung, Seifenblasen pusten und stimulierte seinen Mund mit einer elektrischen Zahnbürste. Zur Belohnung für korrekt erfüllte Aufgaben durfte Benjamin dann zu Alfonz bzw. in der zweiten Woche zu Genie ins Wasser. Bereits gegen Ende der ersten Woche strengte Benjamin sich immer mehr an und wir hörten die Therapeutin am Dock immer nur „Prima Benny“ sagen.

Was haben wir nun alles neues an unserem Sohn entdeckt? Wir sind mittlerweile überzeugt, dass er ein recht gutes Sprachverständnis hat. Auf Aufforderung bringt er das Gewünschte. Fragt man nach, ob er Teletubbies sehen will, geht er mit einem an der Hand zu Fernseher und deutet an, diesen anzumachen. Sagt man „Winke, winke“, dann winkt er mit der Hand. Verabschiedet man sich mit Tschüs, sagt Benjamin immer „Ha Hau“, dass ist sein eigener Abschiedsgruß. Als Valerie einmal in unserem Beisein „Bye-bye Benny“ sagte, kam von Benjamin ein zaghaftes „Babei“. Boah! Wir konnten nicht glauben, was wir gerade gehört hatten. Inzwischen ahmt Benny sehr viel nach: Augenzwinkern, klatschen, trampeln, hüpfen (ist eher noch ein Versuch), pusten und die Zunge herausstrecken. Er will vieles selbst machen. Stellt man seine Sandalen vor seine Füße, hält er sich an einem fest, steigt in den Schuh hinein und schließt anschließend den Klettverschluß selbst. Er cremt sich die Hände und Arme selbständig ein, nur die Hände mit Seife waschen klappt noch nicht so. Da planscht Benjamin doch lieber nur im Waschbecken mit den Händen. Wir sind sehr beeindruckt, was jetzt alles von ihm kommt und noch kommen wird.

Am letzten Tag kurz bevor wir zum Flughafen fuhren, kam der Vermieter, um sich zu verabschieden. Benjamin streichelte sogar seinen Hund, nachdem wir zu ihm sagten „Benny, Ei was ein lieber Hund“. Sowas hat er noch nie getan. Während der Therapie konnten wir aber bereits beobachten, wie er Alfonz oder Genie gestreichelt hat. Wir Eltern durften das auch. Es war ein sehr schönes Gefühl.

Gleich zu Anfang ist uns aufgefallen, dass Benjamin sehr viel zufriedener und ausgeglichen wirkte. Das merkte man bereits nach der ersten Therapiesitzung. Kein Geschrei, als wir ihn ins Auto setzten und auch nicht während der Fahrt. Die gemeinsame Zeit in Florida hat uns allen sehr gut getan. Aber wir wissen auch, dass es sehr daruaf ankommt, dass wir die Anregungen von DHT hier umsetzen. Benjamin mus in seiner Wahrnehmung noch verstärkter gefördert werden und das täglich. Mit der Bürstenmassage und sonstigen Tiefdrucksimulationen können wir das erreichen. Das beruhigt ihn und erhöht seine Konzentration. Viele Anregungen bekamen wir in den Elternworkshops, die nachmittags stattfanden. Wir erhielten auch viele Tipps und Hinweise, wie wir mit seinem autistischen Stereotypien umgehen sollen. Diese Stereotypien sind wichtig für Menschen mit autisitschen Zügen. Sie beruhigen ihn, man darf sie ihnen nicht wegnehmen, ohne einen adäquaten Ersatz anzubieten. Wenn Benjamin also pausenlos über Kanaldeckel läuft, sollte man eher ein Spiel daraus machen und beispielsweise mit den Füßen trampeln oder hüpfen. Das beruhigt und fördert auch die sensorische Wahrnehmung. Überläßt man diese Stereotypien einem autistischen Menschen, kann er in dieser Zeit nichts sinnvolles tun bzw. lernen. Man blockiert ihn somit.

Diese guten Vorsätze sind wichtig, aber leichter gesagt als getan. Wenn man selbst müde von der Arbeit heim kommt, muss man sehr viel von sich selbst abverlangen, um diese Vorsätze auch umzusätzen.

Wir sind nun wieder zuhause und lassen das erlebte noch einmal im Geiste abspielen. Wir eingangs gesagt, haben wir keine Wnder erwartet. Dafür sind wir viel zu realistisch. Jedoch sehen wir, dass Benjamin auf einigen Gebieten Anregungen bekam, die er auch umsetzt:

  • seine Unzufriedenheit und sein Sozialverhalten hat sich gebessert
  • Er ist aufmerksamer und imitiert vermehrt
  • Er versucht Laute zu produzieren, hat ein besseres Sprachverständnis und versteht den Sinn von Kommunikation
  • Wir haben Hinweise bekommen, wie wir mit seine Stereotypien umgehen sollen und merken auch, dass Benjamin sich teilweise hierdurch beruhigen läßt

Sicherlich gibt es noch mehr Punkte, die uns bislang noch nicht aufgefallen sind. Das wird die Zeit zeigen. Wir denken aber, dass er deutliche Fortschritte gemacht hat und machen wird. Vielleicht handelt es sich doch um ein kleines Wunder?Aus diesem Grund sind wir überzeugt, dass eine Wiederholung der Delphintherapie für Benjamin sinnvoll ist. Wir werden uns wieder anstrengen, um diese Therpie zu ermöglichen. Dafür sind wir aber auf die Mithilfe von anderen lieben Menschen angewiesen, die uns durch ihre Spenden helfen, dass Benjamin wieder zu Alfonz oder Genie fliegen kann.
Benjamin leidet an einer mitochondrialen Stoffwechselerkrankung. Er hat auch autistische Züge. Wer mehr über ihn, seine Erkrankung und vor allem über die Delphintherapie erfahren möchte, kann dies auf seinen Webseiten nachlesen:
http://people.freenet.de/Bennys-world/

Benjamins Eltern, Audrey Johnson und Christian Schlaefke