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Alexandra Bade

Krankheitsbild: Cerebralparese mit ausgeprägter Rumpfhypotonie

Die Mutter, Frau Claudia Bade (Mitglied des Elternbeirats dolphin aid e.V.) berichtet von ihrem Aufenthalt im neu geschaffenen Delphin-Zentrum auf Curacao und natürlich von der Therapie ihrer Tochter Alexandra

CDTC – Curacao Dolphin Therapy Center

Im Dezember 2003 habe ich erfahren, dass dolphin aid mit dem Curacao Sea Aquarium plant, in 2004 Delphin-Therapie durchzuführen. Ziel dieser Kooperation ist die Schaffung von Therapieplätzen auf höchstem Niveau. Die von dolphin aid für das Curacao Dolphin Therapy Center entwickelte dolphin aid Therapie wird an den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse angeglichen. Der besondere Augenmerk wird auf die natürliche freie Interaktion zwischen Delphin und Patient gelegt. Frau Dr. Jasmin Mayer-Rosa (med. Beirat dolphin aid) übernimmt zum Start die Leitung des Zentrums. Diese Information war für mich schon recht interessant.

Ich erinnere mich noch genau – es war an einem Montag im Januar – Roswitha (Rauh) rief mich im Büro an und fragte mich wie es so geht. Ich antwortete „na ja so montagsmäßig“ darauf hin erwiderte Roswitha „na dann habe ich eine gute Nachricht für Euch“. dolphin aid fragte an, ob wir uns vorstellen könnten, als „Testfamilie“ zum Training von Mannschaft und Tier im März nach Curacao zu fliegen. Und ob wir konnten. Wir haben uns riesig gefreut und konnten es kaum abwarten, Curacao und das Therapie-Zentrum kennen zu lernen. Meine Tochter Alexandra strahlte über das ganze Gesicht und hatte von diesem Moment an, keine Lust mehr auf Schule. Sie strich jeden Tag einen Tag im Kalender weg und war ganz aufgeregt. Nach 4 hektischen Wochen Vorbereitung landeten wir Ende Februar auf Curacao. Mit uns waren noch Familie Geiger und Familie Beik vor Ort. Für uns Alle war es eine große Ehre, beim Start dieses neuen Therapie-Zentrums dabei sein zu dürfen. Was uns dann erwartete, hatte uns Allen regelrecht die Sprache verschlagen.

Das Therapie-Zentrum befindet sich auf dem Gelände des Sea-Aquariums und grenzt an das offene Meer und ist traumhaft schön angelegt. Das Delphin“becken“ ist sehr groß und nur durch eine Felsmauer vom offenen Meer getrennt. In dieser natürlichen Meeresbucht herrschen ideale Lebensbedingungen für die drei Therapiedelphine Tela, Mateo und Nemo. Tela ist die einzige Delphindame und der Boss. Sie ist super lieb und sehr geduldig. Alexandra hat die Zeit mit Tela sehr genossen. Mateo war zu Beginn der Meinung, es gibt auch noch etwas anderes im Leben als Therapie, hatte dann aber mit Kevin viel gelernt und die beiden waren am Ende unzertrennlich. Nemo, mit 3 Jahren der jüngste Delphin, war noch sehr verspielt und konnte es auch nicht lassen, zwischendurch auch mal Blödsinn zu machen. Er war für Max – Profi im Delphinschwimmen – genau der richtige Delphin. Diese drei wunderbaren Delphine wurden seit Dezember unter der Leitung von Rudolf Jäckle ausgebildet. Zu erwähnen ist noch, dass diese Delphine nie mit Touristen zusammen gekommen sind.

Das junge Therapeutenteam besteht aus ausgebildeten Profis und kommt aus allen Teilen der Welt:

  • Frau Dr. Jasmin Mayer-Rosa , Deutschland
  • Dr. Peter Drissl, Dipl. Psychologe, Deutschland
  • Dr. van der Hüls, Facharzt für Allgemeine Medizin, Curacao
  • Dr. Nadine Herzig, Orthopädie, - Deutschland
  • Ronneke Kats, Office, Management - Holland
  • Marco Kürschner, Cheftherapeut, Physiotherapeut –Deutschland
  • Kerstin Fard-Yazdani, Dipl. Sprachheilpädagogin – Deutschland
  • Ella Among, Ergotherapeutin – Israel
  • Adinda Wiener, Physiotherapeutin – Holland
  • Anja Monnoye, Physiotherapeutin – Belgien
  • Lisa Faust, Intern - Deutschland
  • Marie Nicole Krause, Intern – Deutschland

Diese tollen und lieben Menschen kennen sich selbst erst seit kurzer Zeit. Anfang des Jahres kamen sie zu ihrer intensiven Ausbildung zusammen, um die Maßstäbe der dolphin aid Therapie zu erreichen. Anfang März trafen sie dann auf unsere „Testkinder“. Die gute Atmosphäre, die fantastische Stimmung innerhalb des Teams wirkte auf uns ansteckend. Diese hoch motivierten Therapeuten konnten es kaum erwarten, mit unseren Kindern zu arbeiten. Alle vom Team waren sehr herzlich und interessiert und somit sahen wir den Start der „Trainingsphase“ ungeduldig entgegen.

An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass nicht nur Kirsten Kuhnert, sondern u.a. auch Dr. Ibach vom med. Beirat dolphin aid vor Ort war. Er nahm die Krankenhäuser und die medizinische Versorgung „unter die Lupe“ und stellte abschließend fest, dass die Ausstattung den höchsten europäischen Standards entspricht. Britta Siebert vom Düsseldorfer Büro, die im Vorfeld maßgeblich am organisatorischen Aufbau beteiligt war, war zur gleichen Zeit auf Curacao, um mit Ronneke das Office aufzubauen.

Für den ersten Sonntag war ein Briefing angesetzt. Dieses Briefing hatte schon Gänsehautcharakter. Alle, die in irgendeiner Form an dem Aufbau des Therapie-Zentrum beteiligt sind, waren anwesend. Kirsten Kuhnert (Kiki), Adrian Schrier (Dutch), Miteigentümer des Sea-Aquariums, Dr. Ibach und Dr. Mayer-Rosa (beide med. Beirat dolphin aid), das Therapeutenteam und wir, d.h. alle drei Familien. Alle haben sich vorgestellt und erzählt warum und wieso sie heute hier und nicht woanders sind. Heinz Geiger bemerkte, dass dolphin aid nach dem wissenschaftliche Symposium in München (März 2003) nun ein Jahr später den 2. historische Milestone in Sachen Delphintherapie erreicht hat! Dutch erzählte, dass auf Curacao viele verschiedene Nationen und Kulturen friedlich miteinander leben und dass er sich wünscht, dass dieser „respect for people“ im neuen Therapie-Zentrum auch gelebt wird. Alles in allem war dieses 1. Meeting für uns alle ein besonderer Moment.

´Im Anschluss daran, wurden die Anamnese-Gespräche (einzeln) durchgeführt. Der jeweilige Therapeut hatte die zuvor eingeschickten Unterlagen studiert und hatte darauf aufbauend noch einige ergänzenden Fragen zum jeweiligen Kind. In diesem Gespräch wurde dann gemeinsam herausgearbeitet, was schwerpunktmäßig bei dem jeweiligen Kind erarbeitet werden sollte. Am nächsten Tag sollte nun die „Generalprobe - dolphin aid Therapie CDTC“ beginnen. Es war vorgesehen, dass unsere Kinder eine Stunde vor der eigentlichen Delphin gestützten Therapie erscheinen sollten. Der jeweilige Therapeut lernt „sein“ Kind kennen, spricht, turnt und spielt mit ihm. Alexandra hat z.B. viele Übungen auf dem Medizinball wie Arm- und Schulterdehnung sowie Stützübungen durchgeführt. Ihre Therapeutin war oft überrascht, was Alexandra für ein Potential an Kraft und Power hat. Das Anziehen des Neoprenanzuges gehört dazu und kündigt an „nun geht es zu den Delphinen“. Der Delphintrainer George war immer als erste vor Ort und wartete bereits auf Ella und Alexandra. Bei Alexandra lag der Therapieschwerpunkt auf der Kopfkontrolle (Schieflage nach der Wirbelsäulen-OP), auf der geöffneten Hand , der Beinmuskulatur, die durch das Sitzen im Rolli schon verkürzt ist sowie auf der Kommunikation. Zu Beginn einer jeder Session wurde Alexandra hingesetzt, die Beine baumelten im Wasser. Das erstaunliche war, dass sie nicht gemeckert hat obwohl sie sich sonst nur in ihrem Rolli sicher fühlt. Alexandra hat sehr intensiv und konzentriert mitgearbeitet. Was sie aber nicht davon abhielt, sich auch auf ihren „Trainerjob“ zu besinnen und Ella mal zu zeigen, wo es langgeht. Ella wurde ausgetestet und Alexandra zeigte ihre gesamte Bandbreite ihrer Persönlichkeit bis hin zum Machtkampf „wer hat den längeren Atem“. Im Wasser war der Delphin Tela sehr geduldig und ausdauernd und Alexandra hat diesen intensiven Delphinkontakt sehr sehr genossen. Alle Übungen führte Alexandra im Wasser wesentlich besser aus als an Dock. Interessant war auch immer wieder zu beobachten, dass Alexandra immer den Blickkontakt zu Tela gesucht hat, wenn sie mal abgetaucht war. Beim Betrachten der dolphin aid Therapie fällt sofort auf - wir Eltern hatten unsere Zuschauerplätze in einiger Entfernung, so dass wir unser Kind nicht ablenken konnten – dass während der Arbeit mit unseren Kindern eine große Ruhe und Friedlichkeit herrschte. Ein Grund dafür war sicher auch, dass die Delphintrainer die Delphine gewähren ließen und nicht gleich beim ersten kurzen Kontakt die Pfeife angesetzt haben. Viel Zeit war auch für die freie Interaktion zwischen dem Delphin und dem Kind reserviert. Tela hat sich dann von sich aus immer für Alexandra Füße entschieden und hat den sogenannten footpush ausgeführt. Nach jeder Session war Alexandra immer gut gelaunt, sehr entspannt und mit sich und der Welt zufrieden. Sie erzählte im Anschluss viel. Erwähnen möchte ich auch noch, dass Alexandra nachts ruhig und entspannt 12 Stunden am Stück durchgeschlafen hat.

Da ja der ganz normale tägliche Therapieablauf trainiert werden sollte, hatten unsere Kinder das Glück und durften zweimal zu den Delphinen, Es gab somit vormittags und nachmittags eine Session. Nach der 2. Session eines jeden Tages saßen dann der Therapeut und die Eltern zusammen. Nach diesen 2 Wochen Intensivtraining sowohl für Alexandra als auch für Ella, konnten wir bei Alexandra feststellen, dass in dieser - therapeutisch gesehen - kurzen Zeit , die „Klassenziele“ erreicht wurden. Der Kopf braucht mittels der Kopfstütze weniger Unterstützung, wir konnten schon die seitliche Kopfstütze entfernen. Der Körper und insbesondere die Hände sind sehr entspannt, die Hand ist bis heute noch nicht wieder zur Faust geballt worden. Das Greifen ist zielgerichteter und ausdauernder. Zu Hause angekommen, staunten die Lehrer nicht schlecht, wie gut, entspannt und erholt Alexandra aussieht. Sie lachte nur und wirkte für die Lehrer auch viel erwachsener. Die anschließende Ferienfreizeit ohne Mama und Papa wurde mit Bravour gemeistert. Alexandra war fröhlich und aufgeschlossen und nahm aktiv an allem teil. Diese Reife, dass sich der Umwelt öffnen, zähle ich genauso zu den Therapieerfolgen, wie die motorischen Fortschritte. Seit der Rückkehr aus Curacao hat Alexandra den Wunsch, unübersehbar sehr stark ausgeprägt - sich mündlich mitzuteilen und auch mündlich zu antworten. Das Zuhilfenehmen der Symbolkarten interessiert sie weniger. Spannend fand ich auch Ellas Resümee, dass sie als Therapeutin total überrascht ist, was bei einem Kind bei so einem intensiven Training für Fortschritte erzielt werden.

Was unsere Kinder mit Hilfe der Delphine erleben, konnten wir Eltern andeutungsweise nachempfinden. Samstags steht „Familienschwimmen“ auf dem Programm. Eltern und Geschwister haben dann die Möglichkeit, mit den Delphinen zu schwimmen. Unsere „Therapiekinder“ wurden während dieser Zeit von den Interns betreut.

Dieses unbeschreiblich schöne Delphinerlebnis für die gesamt Familie wurde abgerundet durch einen fantastischen Aufenthalt auf Curacao. Die Appartements sind groß und sehr schön eingerichtet, in denen man nicht anders kann als sich wohl fühlen. Die Poolanlage und der Strand laden zum Baden ein. In unmittelbarer Nähe befindet sich das Royal Resort Restaurant, das rund um die Uhr geöffnet hat. Die Speisekarte umfasst Frühstück, Mittag, Snack und Abendbrot. Für dolphin aid Familien konnte Kiki (Kuhnert) einen Rabatt von 20 % für alle Speisen aushandeln. Das Sea Aquarium ist sehr weitläufig und schön, die Führungen und Erläuterungen sind sehr interessant. Für uns gab es jeden Tag etwas Neues zu entdecken.

Die Hauptstadt Willemstad ist 6 km entfernt und ist mit dem Bus oder Taxi schnell zu erreichen. In der Nähe gibt es zwei Supermärkte, die alles haben. dolphin aid hat für mittwochs und samstags einen Shuttle-Service organisiert, so dass der Einkauf problemlos bewältigt werden kann.

Während unseres Aufenthaltes dankte uns Kirsten Kuhnert (Kiki) immer wieder für unser Kommen. Dabei sind wir es, die ihr für dieses einmalige Erlebnis und in jeder Hinsicht erfolgreichen Aufenthaltes ewig dankbar sein werden.

Das neue Therapie-Zentrum CDTC setzt therapiebezogen neue Maßstäbe und steht in keiner Weise den etablierten Therapie-Zentren nach. Das Beobachten der freien Interaktion zwischen Delphin und Patient sind bewegende Momente aus denen der Therapeut oft auch neue Therapieansätze ableiten kann.